Text: Reini Rieger
Fotos: Johannes Jüptner, Thomas Jekel, Reini Rieger
Zum diesjährigen BG-Eiskletterlager machten wir uns auf den Weg ins Tiroler Wipptal. Johannes hat diese vier Tage hervorragend organisiert. Mit dabei war auch Seniorchef-Stellvertreter Thomas, um den Altersdurchschnitt der Teilnehmer etwas zu heben, die ältere Generation auf dem Lager zu vertreten, sowie für Recht und Ordnung zu sorgen. Johannes hatte für eine geniale und günstige Unterkunft gesorgt, die Bekannten von ihm gehört.
Acht der neun Teilnehmern reisten öffentlich an. Dies durfte auch etwas erleichtert geschehen, denn die Skiausrüstung blieb bei der geringen Schneelage guten Gewissens daheim. Nichtsdestotrotz sollten einige gut aufgebaute Eisfälle auf uns warten.
12.2.: Anreisetag. Die Fleißigen unter uns beginnen schon mit dem Klettern.
Während Paul und Johannes sich am Vennjöchl-Eisfall und kombinierten Varianten im Toprope daneben austobten, führte Thomas die beiden BG-Aspiranten Chris und Anton eine Kletterroute in der Stafflacher Wand hinauf. Aus elf Seillängen machte der erfahrene BGler drei. Das lag unter anderem an der maßlosen Überbohrung der Tour – Hakenabstände im Bereich von einem halben Meter sind dort anscheinend keine Seltenheit. Weiters ist zu bemerken, dass Chris mit Bergschuhen und Eisgeräten kletterte und Anton mit Steigeisen und Eisgeräten. Thomas verzichtete auf die Eisgeräte und stieg klassisch mit Kletterpatschen vor. Das Fazit nach der Tour [Zitat]: „Kann man gemacht haben als Zwischenstopp, muss man aber nicht.“
13.2.: Ein etwas chaotischer Beginn.
Johannes musste an diesem Tag zurück nach Innsbruck, um eine Uniprüfung zu absolvieren. Ulli reiste erst im Laufe dieses Tages an, wodurch Thomas etwas Unterstützung in der Vertretung der alteingesessenen Generation bekam.
Somit waren wir an diesem Tag ohne Johannes und Ulli zu siebt kletterbereit. Wir entschieden uns für die Zeischfälle im Valsertal. Andrey konnte fünf Leute in seinem Auto unterbringen, Paul und Josi fuhren dankenswerterweise öffentlich hin. Leider scheiterte das Auto-Team daran, Josi’s Gepäck vollständig mitzunehmen, was sehr unangenehm war, doch der geduldige Andrey fuhr mit Paul und Josi nochmal ins Quartier zurück, um die vergessenen Utensilien zu holen.
Währenddessen machten wir uns schon auf den Weg Richtung Zeischfälle. Schnell bemerkte Chris, dass er sein Seil im Auto vergessen hatte und bekam einen kleinen Anfall angesichts all unserer Unaufmerksamkeit. Doch das war noch nicht alles. Anscheinend hatte Anton am Vortag eine große Liebe für die Stafflacher Wand entwickelt. Als wir nämlich nach Inspektion der Eisfälle unser Equipment herausholten und zum Klettern beginnen wollten, bemerkte er, dass die Steigeisen nicht da waren. Andrey war verständlicherweise nicht gewillt, noch einmal ins Quartier zurückzufahren. Daraufhin ging Anton zu Fuß das Tal raus, um einen Klettersteig in der Stafflacher Wand zu machen.
Chris und Thomas kletterten ein paar Längen in den Hinteren Zeischfällen und leisteten Anton nach dem Klettersteig Gesellschaft. Währenddessen kletterten wir anderen vier in den vorderen Zeischfällen. Zu Beginn der Dämmerung erreichten Andrey und ich das Auto, während Paul und Josi noch hoch oben im Eis hingen. Wir wussten, dass sie erfahren sind und Stirnlampen dabeihatten, weshalb wir schon ins Quartier fuhren. Ein paar Stunden später fuhr der gutmütige Andrey nun zum dritten Mal an dem Tag ins Valsertal und holte die beiden. Wir kochten ein gutes Abendessen und nach Ankunft von Ulli und Johannes waren wir endlich auch vollzählig. Ein etwas chaotischer Tag ging zu Ende.
14.2.: Mixed Routen. Ein erfolgreicher Tag.
Paul, Chris und Josi planten, als Dreierseilschaft ins Venntal zu fahren. Josi fiel leider aufgrund von Gesundheitsproblemen aus und so fuhren sie nur zu zweit. Nach zögerlichen Annäherungsversuchen an die Eisfälle siegte bei Chris allerdings die Angst vor Lawinen am Zustieg, weshalb weitere Annäherungsversuche nicht mehr stattfanden. Beim Rückmarsch fanden die beiden aber eine Möglichkeit für eine potenzielle Erstbegehung. Es handelte sich um eine nicht durchgehende Eisrinne unmittelbar neben der Autobahn hinter Steinschlagnetzen. Aufgrund ihres im wahrsten Sinne des Wortes entgegenkommenden Charakters sind sich die beiden im Nachhinein absolut sicher, dass es sich tatsächlich um eine Erstbegehung handelt. Mutig und kompromisslos stieg Paul vor und Chris verifizierte im Nachstieg die Schwierigkeit der Tour: WI2+, M(Mist) 2. Man könnte jetzt schon sagen: Was für ein erfolgreicher Tag! Doch währenddessen waren auch noch die anderen beiden Seilschaften erfolgreich!
Andrey fuhr mit Anton, Johannes und mir wieder ins Valsertal. Die Strecke war ihm inzwischen schon sehr vertraut (siehe Vortag). Gott sei Dank vergaß diesmal niemand von uns die Steigeisen.
Anton und Andrey sammelten ordentlich Eisklettermeter bei den hinteren Zeischfällen. Sie erkletterten den Zeischer Almfall (WI3+) sowie den Stierschwanz (WI3).
Johannes und ich gingen ins Seitental Richtung Geraer Hütte. Wir schauten zuerst bei Oxytocin (Mixedroute) vorbei, die stand aber nicht (kein Eis). Weiter drin im Tal kamen wir dann zur Arena, wo gleich zu Beginn die Mixedkletterei „Mach 2“ (M5, WI6) einen soliden Eindruck auf uns machte. Wir folgten einer gut ausgetretenen Spur und standen am Fuße des mächtigen Eisfalls. Nach dem Rucksackdepot kraxelten wir die erste Länge (60m, WI2-3) rauf. Wir spielten Schere-Stein-Papier um den ersten Vorstieg, der dann mir zufiel. Nach etwa 40m WI3+ erreichte ich den Sockel unter dem großteils freihängenden Eisvorhang. Johannes meisterte den Überhang super im Vorstieg und verließ das kompakte Eis, um an einem freihängenden Zapfen ganz links am Eisvorhang nach oben zu klettern. Nach ein paar steilen Metern wurde es flacher und unter dem nächsten Aufschwung machte Johannes Stand, um mich nachzusichern. Der Zapfen über uns wirkte dünn, aber das Eis sah gut aus. Mir wurde bange, als ich den Felsüberhang über uns inspizierte, durch den es nun gehen würde. Zunächst eine senkrechte Eisstufe, etwa 6m hoch, in perfekt eingepickeltem Eis. Eine gute Schraube ins kompakte Eis, das hier in einem Felsüberhang endete, dann ging es in die Querung nach links. Dazu legte ich mir die Eisgeräte über die Schultern und hielt mich an Leisten auf dem plattigen Block vor mir an, um den herum ich mit einem Spreizschritt und etwas Suchen nach weiteren Leisten dahinter in eine erdige Nische gelangte. Hier sah ich einen Schlaghaken, der mich etwas beruhigte. Zusätzlich hängte ich zwei Cams in einen Riss. Dann überlegte ich mir, wie ich nun das überhängende Stück zum Zapfen überwinden könnte. Ich sah eine Schuppenlinie, die ganz gut zum Hooken sein müsste und mit beherztem Strecken müsste es sich ausgehen, von dort zum Zapfen zu kommen. Gesagt getan, zwei Bombenhooks! Und mit Strecken – etwas athletisch – erreichte ich den Zapfen. Hier gab es auch Spuren von den Vorgängern, aber nicht ganz so ausgeprägt. Kurz war es mit dem Gleichgewicht schwierig, da ich nur einen Arm und ein Bein im Eis fixiert hatte, aber dann war ich voll drauf und pickelte mich die paar Meter zur Kante rauf. Mega Gefühl!!! Ich sicherte Johannes nach und wir waren super happy!
Nach dem Abseilen hatten wir noch 2h bis zum Treffpunkt beim Auto um 15 Uhr mit Andrey und Anton. Wir entschieden uns dafür, in die Eislinie direkt links von Mach 2 einzusteigen. Nach einem erneuten Schere-Stein-Papier stieg wiederum ich die erste Länge vor, vllt WI3, 60m. Johannes stieg die zweite vor. Wegen der schlechten Eisqualität brach Johannes den Vorstieg über dünne Säulen am Ende des Falls ab und wegen mangelnder Zeit entschieden wir uns dazu, keinen weiteren Versuch über eine andere Möglichkeit zu unternehmen. Kurz nach 15 Uhr waren wir unten beim Auto, aber Andrey und Anton steckten noch irgendwo hoch oben in einem Eisfall. Wer könnte es ihnen denn verbieten … hatte Anton ja am Vortag aufs Eisklettern verzichten müssen. Johannes und ich gelangten unkompliziert per Autostopp zurück ins Tal.
Ulli und Thomas inspizierten an diesem Tag das Schmirntal und hackten auch ein bisschen am künstlichen Eisturm herum, der dort im Tal steht.
Wir ließen den Tag mit gutem selbstgekochten Essen in der Unterkunft ausklingen und mussten uns leider von Josi verabschieden, die sich nach wie vor krank fühlte und abreisen musste.
15.2. Zu fünft im Schmirntal.
Andrey und Paul reisten schon nach dem Frühstück ab und Thomas fühlte sich nicht in der richtigen Verfassung zum Klettern. Somit brachen wir nun zu fünft zum Klettern auf und fuhren öffentlich ins Schmirntal. Nach etwa 20min zu Fuß erreichten wir die Eisarena. Johannes und Ulli gingen zum Kluppenschild, wir anderen drei, Andrey, Anton und ich, zum Poltergeist. Es war über Nacht doch signifikant Neuschnee gekommen, der beim Klettern störte. Beim Poltergeist entschieden wir uns für die sonnenzugewandte Seite des Falls, die sich beim Klettern allerdings als recht morsch herausstellte. Die Eisqualität war nach oben hin echt schlecht, vor allem zum Sichern. Chris entschied sich dazu, es sein zu lassen, nur Anton kam von oben gesichert nach. Der Abseiler über einen großen Felsüberhang neben dem Eisfall war beeindruckend.
Schließlich blieb uns noch Zeit und zu dritt stapften wir vorbei am Kluppenschild talauswärts, wo wir zu einem etwa 20m hohen Eisaufbau kamen, den wir schon beim Reinmarschieren betrachtet hatten. Es ging dort super zum Klettern!
Anschließend gingen wir gemeinsam mit Johannes und Ulli im wärmenden Sonnenschein das Tal hinaus zum Bus. Mit der Heimfahrt endete ein lustiges und spannendes BG-Eiskletterlager und wir freuen uns schon sehr auf das nächste!
!!!SAVE THE DATE: Für das BG-Eiskletterlager 2027 sind schon 16 Plätze in einer Selbstversorgerhütte im Ötztal von 09. bis 15. Jan 2027 reserviert!!!!!
Verfasst von Reinhard Rieger









