7. Dezember 2024 – Matsch beflügelt Feierstimmung
Jedes Ding hat zwei Seiten, sagt das Sprichwort; und so auch der Kleinmorast, den wir bei unserer Adventwanderung am 7. Dezember 2024 von Kritzendorf über den Weißen Hof zur Redlingerhütte an einer Stelle durchwanderten. Wegen der durch den vorangegangenen Regen teilweise eingebrochenen Nebenwege mussten wir nämlich die Wanderung kürzen – und hatten mehr Zeit zum Feiern.
Dabei hatten wir mit dem Wandertag großes Wetterglück. Bei angenehmen Temperaturen wanderten wir von Kritzendorf aufwärts zum Weißen Hof und wurden von Sonnenstrahlen begleitet. Der freundliche Laubwald vertiefte den Eindruck eines hellen Frühwintertages. Und diesmal klappte es mit dem Panorama bestens, wobei eine der Begleitpersonen belustigt vermerkte, dass die „blöde Natur“ ein Hindernis für den vollen Rundblick sei. Davor aber gab es einen recht steilen Anstieg zu schaffen, den wir uns mit Geplauder verkürzten.
Ein kleines Stück Matsch bekamen wir dann trotzdem serviert, und zwar beim Zugangsweg zur Redlingerhütte. Etwa 100 m Wegstück war aufgeweicht, so dass wir durch den seichten Morast stapfen mussten. Unsere Schuhe wirkten danach leicht verändert . . . Ganz ohne Abenteuer geht es nun einmal nicht.
Nach gutem Essen in gemütlicher Runde feierten wir bei von unseren Begleitpersonen gebackenen Keksen und bei weihnachtlichen Gitarrenklängen. Ich vermute, niemand von uns war böse auf den Matsch, der unsere Wanderung verkürzt hat; denn gerade im Advent steht das Festliche ebenbürtig neben dem Sportlichen.
Christine Hinkel
2. November 2024 – „Glück auf“ in Grünbach
Das ungefähr war unsere Devise, als wir am Morgen des 2. November vor unserer Wanderung in Grünbach am Schneeberg das dortige Bergbaumuseum besuchten.
Frau Franzi, die Museumsführerin, ist ein echtes Original. Gespickt mit kabarettistischen Einlagen, erstand vor uns die Geschichte des Grünbacher Steinkohlenbergbaus von seinem Anfängen 1825 bis zur Schließung Mitte der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Mich hat angenehm überrascht, wie viel schon frühzeitig für die Bergleute auf
sozialer Ebene geschehen ist: jede zweite Woche ein Samstag frei, Umstieg auf Nassbohrungen, sobald das Gesundheitsrisiko durch Feinstaub bemerkt wurde; gut ausgestattete Duschen und Umkleideräume…Davon konnten seinerzeit die meisten Bergbaugebiete der Welt nur träumen. Eine Darstellung der Geschichte der Hl. Barbara, Patronin der Bergleute, die von ihrem Vater eingesperrt und wegen ihres christlichen Glaubens getötet wurde, ergänzte unseren Besuch.
Das darauffolgende Wandern in guter Laune und mit interessanten Gesprächen führte uns über Wege und Anstiege, die mit raschelndem Herbstlaub bedeckt waren. Wir genossen die Sonnenstrahlen und die würzige Luft, für mich eine Art Einladung der Natur, ein Willkommen im Herbstwald, der manchmal im Wind leise rauschte.
Gestärkt durch ein gutes Mittagessen marschierten wir zurück zur Bahnstation und traten die Heimfahrt an. Damit war der Wandertag zu Ende, doch die Erinnerung bleibt!
Christine Hinkel
13. bis 20. Oktober 2024 – Ein ganz besonderer Wanderurlaub
Für diesen außergewöhnlichen, vielseitigen Wanderurlaub in St. Jakob im Walde/Steiermark vom 13. Bis 20. Oktober danke ich allen Mitwirkenden; er war für mich ein bleibendes Erlebnis, eine ungewöhnliche und vor allem außergewöhnliche Zeit. So etwas hat man nicht alle Tage. Darum lasse ich ihn im Geist und im Buchstaben nochmals an mir vorbeigleiten.
Schon die Abholung für uns Betroffene war perfekt organisiert, nämlich in den Fahrzeugen des Begleitteams direkt von zu Hause. Im Gasthof Ortner gab es ab sofort Köstliches zum Genießen, als Renner dabei die außergewöhnlich schmackhaften Steinpilze. Doch wer rastet, der rostet, also drehten wir vor dem ersten Abendessen noch eine ordentliche Runde in der Gegend: prachtvolle Wälder und Wiesen, soweit das Auge reichte – das gab es tatsächlich, nur verschleierte der ungewöhnlich starke Nebel die Sicht. Der dicke Nebel blieb unser Begleiter in der gesamten Wanderwoche. Wir ließen uns die Freude aber nicht verderben.
Jeden der folgenden Tage wanderten wir nun, begleitet von unserem dortigen Wanderführer Franz, munter durch die Gegend. Ich gestehe aber, ich musste des Öfteren auch kräftig schnaufen und schwitzen trotz der niedrigen Temperaturen. Schließlich bin ich Jahrgang 1946 und keine geübte Wanderin. Natur pur war angesagt, bereichert durch viele wissenswerte Einzelheiten, die unser Wanderführer uns lebensvoll nahebrachte. Da fanden sich beispielsweise fast mannshohe Ameisenhaufen mit rund 1 Million Ameisen. Nachdenklich betrachte ich die uneingeschränkte Solidarität und Hilfsbereitschaft der Ameisenpopulation, wie Franz sie schilderte, und frage mich, ob der Menschheit dieser große Wurf einmal gelingen wird.
Die Sonne ließ uns im Stich, doch standen als Ersatz Pilze in rauen Mengen überall. Ganze Pilzfamilien zeigten sich dicht am Wegrand und verlockten unser Begleitteam zum Sammeln. So erklang aus der Gruppe ständig der Freudenschrei dieser oder jener Begleitperson: „Schau dir diese Schwammerln an!“ Und sie flitzte los. Die rot gepunkteten Fliegenpilze waren offensichtlich eine Augenweide, nur schade, dass sie giftig sind und daher nicht als Gaumenfreude taugen.
Mit der Tierwelt hatten wir einen beeindruckenden Kontakt im Rahmen unserer Alpakawanderung auf dem Biobauernhof Kroisleitner. Die Alpakas, die zu der Familie der Kamele gehören, sind scheue Tiere, lassen sich aber abrichten, um mit Menschen einen Spaziergang zu machen wie ein Hund, der an der Leine geht. So wanderten wir ungefähr 1,5 km mit 4 Alpakas entlang einer ausgedehnten Weidefläche. Immer wieder gab es Zwischenstopps zum Grasen, dann vermittelte uns die Bäuerin Wissenswertes: Alpakas sind scheu und intelligent, ihre Wolle wird am Winterende bis zu 10 cm lang. Die Tiere ließen sich streicheln, haben schon jetzt ein ganz dichtes Haarkleid wie ein Kuschelbär. Wir konnten abschließend in die Alpakaweide hinein, und dort gab es eine berührungsfreudige Alpakadame. Sie genoss unsere Liebkosungen und legte sich dabei sogar flach auf den Boden. Im Hofladen konnten wir uns schließlich bequem niederlassen und etwas aus dem hochwertigen Produktsortiment des Anwesens erstehen.
Im Zusammenhang mit Tieren muss ich wieder schmunzeln über eine Begebenheit am Beginn einer Wanderung, als wir am Eingang unserer Pension Orthofer standen. Dort fand sich eine zutrauliche Katze, die sich plötzlich in unsere Gruppe mischte und Streicheleinheiten einforderte. Dass sie schwarz war, hat mir gefallen, denn ich bin an einem 13. Geboren, und nicht nur das: an einem Freitag, dem 13. Die Katze hat meine wärmste Sympathie.
Der Abstecher zur Pfarrkirche von Wenigzell sorgte zusätzlich für Abwechslung. Ihr barocker Hochaltar ist ergänzt durch großflächige Handschnitzereien an den Sitzreihen. So ergab sich für uns als betroffenem Personenkreis Interessantes zu tasten. Die Begleitpersonen beschrieben außerdem den kunstvollen Altar.
Eine Freude waren unsere gemütlichen Mittagseinkehren während der Wanderungen. Dabei hatten wir immer gutes Essen, Spaß und Entspannung. Schade, ich habe die Tannenbutter verpasst, die es auf der letzten Almhütte zu verkosten gab. Nicht versäumt habe ich dagegen das Stamperl Schnaps, das unser Wanderführer Franz uns nach jeder Wanderung servierte, aufgebessert mit lustigen Geschichten und Gstanzln – hier nur ein ganz kurzes: „A Wossa is a guata Tropfen, wann ma’s mischt mit Moiz und Hopfen“.
Die Zeit nach dem Abendessen verbrachten wir mit Plaudern oder mit Spielen. Ich bin erstaunt, wie viele aus unserer Gruppe pokern konnten. Ich habe nicht die leiseste Ahnung davon, machte nur zum Würfeln mit – und gewann, doch nicht ich, sondern eigentlich meine Partnerin, die für die Strategie zuständig war. Jetzt kann ich mich ein wenig hineindenken in das Prickeln, das kartenspielende Personen erfasst, wenn sie voll Eifer ihr Glück versuchen. Wir spielten nur zum Vergnügen, nicht um Geld, da betrachtet man die Dinge locker.
Das Haus Orthofer hat eine interessante Geschichte, die bis in die Endzeit der Monarchie zurückreicht. Der Großvater der Familie kannte noch den letzten habsburgischen Monarchen, Kaiser Karl, dem die Liegenschaft hier gehörte. Späterhin überschrieb Karls Gattin Zitha das Anwesen aus dem Exil in Madeira an die Familie und besuchte den Ort in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Eine unserer Wanderungen führte uns übrigens entlang des nahegelegenen Kaiser Karl-Rundwegs.
Lachen Sie nicht: Ich war froh, als unser Wanderurlaub zu Ende war, und zwar wegen meines extremen Muskelkaters, der mich vielleicht daran gehindert hätte, noch einen weiteren Tag zu wandern. Meine Bewunderung gilt unserem gesamten Begleitteam, das durch seine Feinfühligkeit und sein Engagement diese Wanderwoche zu einem Erlebnis der Sonderklasse werden ließ.
Christine Hinkel
5. Oktober 2024 – Wandern mit viel Kultur in Kirchberg am Wechsel
Das stand bei unserer Wanderung am 5. Oktober 2024 auf dem Programm, und wir kamen voll auf unsere Rechnung. Vor allem neugierig waren wir auf die Besichtigung der Hermannshöhle in Kirchberg am Wechsel.
Am frühen Morgen ging es von Meidling mit Bahn und Bus an unser Ziel. Bis zur Höhle hatten wir nur ungefähr eine halbe Stunde zu wandern, zuletzt über eine Brücke mit Bach und ein Stück bergauf. Dann kam die Besichtigung. Der Beginn überraschte: Noch bevor wir uns in Bewegung setzten, gingen kunstvolle Tropfsteingebilde zum Betasten in die Runde von Hand zu Hand. Da fand sich etwa ein Stein glatt und elegant wie ein Eiszapfen, ein anderer war zierlich und durchbrochen, ein dritter wuchtig, mit wabenartiger Oberfläche . . .
In der Höhle selbst durften wir mit Sondererlaubnis vieles betasten. Laut dem Höhlenführer, Herrn Harald Hoffmann, wachsen die Steine an den betasteten Flächen durch den Hautkontakt 15 Jahre lang nicht weiter. Danke daher für dieses spezielle Tastvorrecht. Da standen nun Steinsäulen aller Arten und Größen, auch ein Riesenfrosch und eine Riesenschildkröte., Steinstrukturen wie Zwerge und vieles mehr. Wir erwanderten die Steinwelt der Höhle über insgesamt 200 steile, aber bestens ausgebaute Treppenstufen mit Handlauf, bis wir vom obersten Teil aus wieder ins Freie traten. Ich bin sicher, alle aus unserer Gruppe waren stark beeindruckt.
Das Wandern sollte aber über der Kultur nicht zu kurz kommen. So genossen wir die nun folgenden teils bequemen, teils aber auch abenteuerlichen Wege bei Sonnenschein und guter Laune. Ein Highlight dazwischen war die auf einer Anhöhe über Kirchberg am Wechsel gelegene St. Wolfgangkirche, ein gotisches Gebäude mit einem barocken Hochaltar. Die Kirche hat eine wechselvolle Geschichte und wird derzeit restauriert.
Hoch zufrieden und mit vielen neuen Eindrücken versorgt landeten wir beim ausgezeichneten Mittagessen im Gasthof St. Wolfgang und reisten dann wieder zurück nach Wien.
Einen aufrichtigen Dank an die Gruppenleitung und unsere so engagierten, umsichtigen Begleitpersonen. Sie machen diese Wanderungen immer zu einem Sondererlebnis, auch im gegenseitigen persönlichen Austausch.
Christine Hinkel
20.-21. Juni 2024 – 2 Tage Wanderung Hochbärneck
Am Donnerstag, dem 20. Juni, machten sich 3 Gruppen auf, um das Abenteuer „2 Tage – Wanderung auf’s Hochbärneck“ zu erleben. Christiana, Ernst und Albert einerseits, Uschi, Robert und Eva andererseits erreichten die Bahnstation Winterbach mit dem Auto. Renate, Ilse und Sigi kamen ein wenig später mit der Mariazellerbahn hier an. Der Himmel war öfter bedeckt, zunächst blies ein stärkerer Wind – momentan war uns geradezu kühl.
Wir stiegen zum Hotel auf, wanderten über die Terrasse und anschließend ein kleines Weglein entlang zur Autobuskehre. Von dort folgten wir der alten Straße bergauf, querten die Serpentinenstraße und stiegen zu einem Bauernhof auf. Gleich danach machten wir Halt bei einem uralten Marterl. Die Inschrift war – auch der alten Formulierungen wegen – nicht einfach zu entziffern. Die Wiesen rundum waren ungemäht und voller Blüten. Wir ließen sie hinter uns und stiegen einen schmalen, etwas ausgewaschenen Steig durch Wald hinan, bis wir ein niedriges Bauernhaus erreichten. Hier begegnete uns wieder die Bäuerin, mit der Robert und Uschi vor drei Wochen geplaudert hatten. Freundlich hängte sie sofort die „elektrische Tür“ aus und ließ uns durchmarschieren. Wie damals war sie dabei, die Rinder von der Weide hinunterzutreiben.
Entlang einer Weide mit Fleckvieh und schwarzen, gefleckten (Holstein) Kühen, ging es bergauf. Manchmal konnten wir rechts und links des Weges reife Erdbeeren pflücken. Inzwischen war uns schon recht warm, denn mittlerweile schien längst die Sonne. Bei einem niedrigen Haus mit verzierten Fenstern, erreichten wir die Anhöhe und freuten uns an der Blumenpracht der Wiesen. Ein Wenig ging es nun bergab, dann trafen wir auf die alte Straße, der wir bergauf bis zum Ötscherblick folgten. Eigentlich wollten wir Tisch und Bänke für eine Mittagsrast nützen, doch die standen an der prallen Sonne, es war viel zu heiß!
Wir wählten den Weg rechts in den Wald, gesichert durch einen Schranken. Hier sichteten wir die erste Zyklame des Jahres!
Bald blieben wir stehen und verzehrten stehend unseren Imbiss.
Beim Weitergehen im schattigen Wald, tauchte links ein Hochstand auf. Eins, zwei drei – und Christiana war oben, obwohl es wegen loser Bretter nicht so einfach war. Da konnte Ilse nicht nachstehen!
Bergauf, dann eben, vorbei am Gelben Fingerhut, der hier stellenweise in großer Zahl am Wegrand blühte, gelangten wir zum Übergang auf eine große Almwiese mit einzel stehenden, prächtigen Bäumen. Ganz nahe hörten und sahen wir eine Kuhherde. Wir beschlossen, eine kleine Rast einzuschieben. Und das Wunder geschah: plötzlich entfernte sich das Geläute – die Kühe begaben sich in den unteren Teil der Alm, weit weg von uns. Freudig marschierten wir los, bis wir zwangsläufig neuerlich in die Nähe der Herde gelangten. Um nicht mitten durch gehen zu müssen, hielten wir uns an den oberen Rand beim Zaun. Hier war die Wiese etwas abschüssig und so kam es, dass Renate bei einem Schritt von einem heftigen Schmerz durchzuckt wurde. Von da an war das Wandern für sie schmerzhaft.
Wir umrundeten die Herde und kamen zum Wegdurchlass, wo uns einige Kühe beobachteten. Sie blieben aber auf ihren Plätzen und wir setzten unsere Wanderung leicht bergab gehend fort. Bald sahen wir unser Ziel, das „Almhaus Hochbärneck“.
Freudig ließen wir uns draußen an zwei Tischen nieder und bald stillten wir Durst und Hunger. Der diesige Himmel ließ keine Fernsicht zu, die Wolken im Westen wurden zu einer immer dunkleren Wand. Da uns schließlich kühl wurde, gingen wir in die Gaststube. Wenig später regnete es draußen – kurz, aber heftig, harmloses Donnergrollen war zweimal zu hören.
Schließlich bezogen wir unsere Zimmer. Wir waren überrascht, dass jedes Zimmer über ein Waschbecken verfügte. WCs und Duschen waren auf dem Gang, Badetücher konnten von einer Kommode genommen werden. Eva bezog das Lager, wo sie allein blieb. Da Albert und Sigi noch Durst hatten, leisteten Robert und Uschi ihnen Gesellschaft.
Am frühen Morgen weckte uns vielstimmiges Glockengeläute. Die Kuhherde weidete vor unseren Fenstern. Nach einem gemütlichen Frühstück in der Stube, brachen wir auf. Noch ein Blick zurück auf die sonnendurchflutete Alm – dann begann der herausfordernde Abstieg durch den Wald: ein steiler Weg, mit Wurzeln und Steinen durchsetzt, manchmal – aber nur kurz – auch gemütlich. Dass auf dieser Strecke das Radfahren verboten sei, wurde mit einem Schild am Baum kundgetan. Da fahren wohl nur Selbstmörder! Schließlich erreichten wir eine Straße und hatten freien Blick auf den Ötscher. Auf der Böschung blühte die Wohlriechende Händelwurz, eine einheimische Orchidee, in großer Zahl, entlang der Wiesen die Schwarze Königskerze. Nun konnten wir bereits die Felswände der Tormäuer sehen. Auf der Straße ging es gemütlich Richtung Tormäuer bergab. Sigi und Albert gingen flotten Schritts voraus, Ilse und Renate folgten. Als wir anderen bei der Abzweigung in die Tormäuer ankamen, war niemand mehr zu sehen. Der Versuch anzurufen, blieb ein Versuch. Kein Empfang! Rufen war zwecklos. Ein, die Straße heraufkommendes, Ehepaar berichtete, dass ihnen Leute entgegengekommen waren. Na, super! Die anderen sind da hinuntergegangen! Wie weit das wohl sein mag? Uschi machte sich auf den Weg und erreichte nach flotten 10 Minuten den „Eibenboden“. Da saßen die Vermissten und freuten sich am Anblick des rauschenden Wassers. Hilft nix, am Wasser gibt es keinen Weg. Also, wieder hinauf zur Kurve und zur Abzweigung! (Die Hinweisschilder sind erst ein paar Meter danach montiert, was nicht sehr hilfreich ist!)
Schließlich kamen wir gemeinsam oberhalb der Eibenmühle in den Vorderen Tormäuern an. Ab da wanderten wir auf dem, teilweise, sehr schmalen Weg die Erlauf entlang. Auch hier musste man sehr achtsam sein, denn immer wieder galt es, Felsen und Wurzeln zu übersteigen. Die Erlauf war von wunderschöner türkiser Farbe und rauschte, denn sie führte genug Wasser.
Bevor wir zum Trefflingfall kamen, machten wir eine Pause auf dem hier befindlichen Rastplatz. (Das vorhandene WC war leider geschlossen.) Wer wollte, konnte etwas essen, trinken, die Hände in die Erlauf halten, das Gesicht benetzen.
Dann machten wir uns auf zum Trefflingfall. War das ein mächtiges, stetiges Rauschen! 120 Meter stürzt das Wasser über einige Vorsprünge hinunter in die Erlauf. Der Weg führte schmal in Serpentinen bergan. Auch hier musste jeder Schritt gut gesetzt werden. Über eine Brücke gelangten wir auf die andere Seite, wo wir, zum Teil auf Stegen, entlang der Felswand oberhalb des Wassers gingen. Unter uns teilte sich ein Wasserfall – der eine Teil rauschte in die Tiefe, der andere Teil schliff in Jahrtausende währender Zeit eine Mühle aus.
Nach einer weiteren, kleinen Steigung erreichten wir das Niveau des Trefflingbaches, dem wir bachaufwärts folgten. Heiß und schwül war es hier wieder! An einer Stelle, die nicht mit großblättrigen Kletten und anderen Pflanzen bewachsen war, stieg Christiana hinunter zum Wasser und füllte alle Trinkflaschen an, die ihr gereicht wurden.
An einer Stelle überquerten wir einen kleinen Bach, der in den Trefflingbach mündet und wanderten auf einer Wiese weiter. Bald hatten wir Sulzbichl erreicht und setzten uns hungrig in den Schatten der Schirme. Speis und Trank holten wir von der Theke, Warmes wurde gebracht.
Bald nahmen wir unsere letzte Etappe in Angriff. Nach einem längeren Stück auf der Asphaltstraße, bogen wir, nach kurzer Überlegung, auf den Waldweg ein. Wir wussten nicht, worauf wir uns da eingelassen hatten! Der Weg ging beharrlich bergauf, war zum Teil ausgewaschen, dazu war es drückend schwül. Irgendwo querten wir eine kleine Asphaltstraße. Der Wegweiser brachte uns zum Kopfschütteln: unten bei der Abzweigung war die Gehzeit nach Puchenstuben mit 1 Stunde angegeben. Hier fand sich ein Wegweiser, der besagte, dass wir Puchenstuben in 1 Stunde und 15 Minuten erreichen würden! Wir setzten unseren Weg am Rand einer Wiese fort. Der Blick zurück ließ uns skeptisch werden: Der Himmel hinter uns war dunkelgrau geworden, hatte die Sonne aber noch nicht verdeckt.
Wir hatten nun ein eher gemütliches Wegstück durch den Wald vor uns. Irgendwo hatte Robert einen Schwächeanfall, wurde von Christiana und Ernst gut begleitet.
Bald begann der Abstieg durch den Wald, wir befanden uns auf dem Planetenweg, der uns direkt nach Puchenstuben führte. Das drohende Gewitter hatte sich inzwischen verzogen.
Der Weg zum Bahnhof zog sich noch lang bergab. Wir waren in kleinen Grüppchen – schnellere und langsamere – unterwegs. Einmal hörten wir den Pfiff eines Zuges und Uschi vermutete, dass es der nach Winterbach (also „unserer“) sei, der sich gerade entfernte. Nun gut, müssen wir halt länger warten, die Mariazellerbahn fährt ja alle Stunde! Als wir endlich am Bahnhof ankamen, mussten wir feststellen, dass wir erst in 2 Stunden einen Zug haben würden. (Ausgerechnet zu dieser Zeit fährt der Zug nicht stündlich!) Christiana suchte mit Hilfe des Smartphones ein Taxiunternehmen. Nach etwa einer viertel Stunde kam ein junger Mann mit einem Kleinbus und nahm uns müde Wanderer auf. In Winterbach teilten wir uns auf die beiden Autos auf und alle Abenteurer kamen wohlbehalten zu Hause an.
Renate und Ilse
