BG Weihnachtsfeier und Weihnachtsrede 2025

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Traditionell gab es einen kurzen Rückblick über das sehr erfolgreiche Bergjahr 2025 präsentiert von Thomas und Ulli.

Sehr erfreulich war, dass wir 4 höchst motivierter BG-Anwärter sowie vier Vollmitglieder vorstellen konnten.

Bruno Klausbruckner hielt eine launige Laudatio auf die Jubilare (50 Jahre BG-Mitgliedschaft) Günter Andexlinger und Hans Peter Holat.

Als Weihnachtsredner war Thomas Mosor vorgesehen. Krankheitsbedingt konnte er nicht teilnehmen. Seinen Text verlas Thomas Jekel. 

 

Gedanken zum Jahresausklang

(Text Thomas Mosor, gelesen von Thomas Jekel, da Thomas Mosor krankheitsbedingt verhindert war).

Mit dem 19. Dezember stehen wir knapp vor der Wintersonnenwende – dem tiefsten Stand der Sonne und der längsten Nacht des Jahres. In vielen Mythologien wird an diesem Wendepunkt die Rückkehr des Lichtes gefeiert. Das Licht schwindet, aber es verschwindet nicht.
Ein uraltes Motiv, viel älter als die christliche Weihnachtsgeschichte, die erst später in diese Jahreszeit eingebettet wurde und noch viel älter als die ersten Spuren des Bergsteigens.
Seit jeher haben Menschen in dieser Zeit auch ihrer Dämonen verabschiedet und mit Ihnen ihre Ängste, Sorgen und Zweifel.
So sehr diese sog. „Raunächte“ ursprünglich auch eine Zeit der Unsicherheit und der Angst waren, so war es andererseits auch eine Zeit der Stille, der Einkehr und der Erneuerung.
Auch für uns, die wir heute in einer hochvernetzten und ununterbrochen beleuchteten „Just-intime-Welt“ leben, bietet die Weihnachtszeit immer wieder auch die Möglichkeit, kurz aus dem Alltag auszusteigen und innezuhalten, zurückzuschauen, um dann den Blick wieder nach vorne zu richten, dem kommenden Jahr entgegen.
Mir fällt Senecas „Per aspera ad Astra“ ein – „Durch die Dunkelheit zum Licht “ oder präziser:
„Auf rauen Wegen gelangst du zu den Sternen“
Ein Satz, der uns auch als eine Metapher für das Bergsteigen insgesamt dienen kann.
Wer von uns kennt es nicht, dieses „Raue“?
Eisige Winde, klamme Finger, schwere Rücksäcke und Tage an den der Gipfel weit entfernt scheint.
Aber sind es nicht auch genau diese Mühen und Anstrengungen, die unsere Erlebnisse aufwerten und uns bereichern?
Ist es nicht genau diese Herausforderung, die viele von uns suchen, die uns das Gefühl gibt, etwas Außergewöhnliches geschafft zu haben und uns in der Gruppe wachsen läßt?
Bergtouren, die uns fordern und uns am meisten abverlangen, gehören doch auch zu unseren einprägsamsten und besten Erlebnissen, und schreiben ganz nebenbei auch an unserer ganz persönlichen Geschichte mit. Übrigens, gibt es in der Jugendsprache, so durfte ich lernen, für solche anstrengenden Unternehmungen auch die Bezeichnung „Type2Fun“.
Mitunter werden Anstrengungen aber auch so groß, dass Menschen an ihre Grenzen gelangen.
Tragische Beispiele von Bergunfällen, bei denen Kälte, Wind, Erschöpfung und eine Reihe von Fehleinschätzungen eine unheilige Allianz bilden, und uns erkennen lassen, dass wir verletzlich sind und unser Ziel beim Bergsteigen, immer auch die sichere und unversehrte Rückkehr sein
muss.
Als ich vor ein paar Wochen mit einigen anderen aus der Runde den außergewöhnlichen Vortrag von Bruno miterleben durfte, wurde mir erst richtig klar, was in seinem Bergmenschenleben bisher alles möglich war und wie sich Bergsteigen und das Expeditionsgeschehen seit den 1960er- Jahren verändert hat.
Bepackt mit viel Neugier, Entschlossenheit und Leidenschaft hat man sich aufgemacht, mit der Ausrüstung von eben dieser Zeit und der Gewissheit, dass, wenn es eng wird, kein Hubschrauber aus dem Nebental aufsteigen wird, um einen zu bergen.
Das Wissen kam weniger aus Lehrbüchern oder Kursen und schon gar nicht aus der Videokonserve, sondern wurde vielfach direkt am Berg exklusiv weitergegeben.
Für mich persönlich lag aber der größte Unterschied in der Dimension Zeit. Jene Zeit, die man sich nehmen musste, um diese Unternehmungen zu planen und durchzuführen oder um überhaupt einmal in die Nähe des Berges zu gelangen, und das konnte Tage, Wochen oder mitunter Monate dauern.
Heute erreichen wir die entlegensten Orte der Welt in wenigen Stunden und takten unseren Alltag wie kaum jemand vor uns.
Obwohl wir über viel mehr Freizeit verfügen als die Generationen vor uns, scheinen viele wenig Zeit zu haben. Wir packen und verdichten unsere Tage und das macht uns rastlos!
Und doch je mehr wir schaffen und desto schneller wir reisen, umso länger brauchen wir um wirklich anzukommen.
Und je mehr Zeit wir sparen, desto weniger Zeit scheint uns zu bleiben. Irgendwie verrückt?
Wie können wir werden, was wir sein könnten, wenn wir uns nicht genügend Zeit dafür nehmen.
„Was nützen dir alle deine Reisen, wenn du dich selbst überall mithin nimmst“ schreibt Mark Twain und erinnert uns daran, dass wir immer auch mit unseren Gewohnheiten, Einstellungen
und Erwartungen reisen und in die Berge gehen und offen bleiben sollten für Neues.
Aber wie jede und jeder von uns weiß, Bergtouren verändern uns nicht nur als Individuen sondern auch als Gruppe.
Wir kehren immer als andere zurück, als diejenigen, als die wir aufgebrochen sind.
„Du kannst nicht zwei Mal in den selben Fluss steigen“ schreibt Heraklit und demnach auch nicht zwei Mal den selben Berg besteigen, denn beide, der Berg und der Mensch haben sich zwischenzeitlich verändert, so wie alles einem ständigen Wandel unterworfen ist, um am Ende doch wiederzukehren.
Liebe Bergsteigergruppe, ein weiteres Bergjahr geht dem Ende zu und es war ein Jahr voller Wege, Spuren und Begegnungen, kleinen wie großen Abenteuern.
Ein Jahr, in dem wir vielleicht die Herausforderung gesucht und unsere Grenzen gefunden haben. Das Raue gespürt undSelbstwirksamkeit erfahren konnten. Die Schönheit der Natur erlebt und die Gemeinschaften vertieft haben.
Wir haben Hüttenabende, Standplätze und Gipfelmomente erlebt und geteilt, haben uns in Wandbüchern verewigt oder waren hin und wieder einfach nur stolz, trotz der rauen Bedingungen überhaupt einmal aufgebrochen zu sein.
Wie jede Bergsaison, bringt auch diese ihre eigenen Geschichten mit sich – die stillen und die aufregenden, die unspektakulären und die außergewöhnlichen.
Und jetzt in der Weihnachtszeit, rund um die Wintersonnenwende, in der längsten Nacht des Jahres, ist auch ein guter Moment, um kurz stehen zu bleiben und innezuhalten..
Um zu erkennen, dass wir in dieser Stille auch etwas Wunderbares finden. Und nach der längsten Nacht werden die Tage wieder länger und das zurückkehrende Licht bringt uns ganz unmerklich ein neues Bergjahr. Frohe Bergweihnacht